Von Zügen und schreienden Blagen…

In letzter Zeit bin ich viel in Bussen und der Bahn unterwegs, was nicht immer eine Freude ist. Ich bin kein Fan des Personen Nahverkehrs, weil ich immer das Gefühl habe dort eine gewisse Zeit meines Lebens zu verschwenden. Auch wenn ich in dieser Zeit nichts anderes zu tun hätte oder sie alternativ im Internet vertrödeln würde kommt mir jede Minute, die ich in einem Zug sitze wie eine vergeudete Minute vor. Man kann dort zwar lesen oder auch schreiben, doch man kann beides nicht besonders gut. Das Schreiben wird durch das Geschlinger des Fahrzeugs verhindert und das Lesen von den anderen Fahrgästen vereitelt. Wenn man Glück hat hat man lediglich eine lärmende Gruppe junger oder alter Menschen in seiner Nähe, die erstaunlich gleich uninteressante Geschichten zu erzählen haben, oder der Sitznachbar versucht einem ein Gespräch aufzuzwingen. Oder, und jetzt kommen wir zu dem eigentlichen Grund meines Artikels, im Bus oder Zug gibt es ein schreiendes Kind, dass auch auf das wiederholte Ermahnen seiner Eltern nicht reagiert und sein Organ bis zur Belastungsgrenze ausprobieren muss.

Es mag wie ein Klischee klingen (das liegt daran, dass es wahrscheinlich schon eins geworden ist) aber besonders in letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass Kinder immer lauter und nerviger werden und das die Eltern immer weniger dagegen tun können. Die Schuld ist dabei zum Teil bei den Eltern zu suchen, die offensichtlich nicht mehr in der Lage sind ihre Kinder ruhig zu stellen, mit welchen Mitteln auch immer, zu einem anderen und vielleicht größeren Teil ist sie jedoch in der Art zu suchen, wie die Gesellschaft ein Kind sieht und mit ihm umgeht. Kinder sind der größte Schatz der Erde, sie sind unsere Zukunft und deshalb das wichtigste, was wir jemals in unserem Leben leisten werden. Doch es nützt nichts, wenn ein Kind bis zu seinem 30sten Lebensjahr in Seide gepackt wird und nicht lernt, wann und wie es sich zu benehmen hat. Doch ein Kind zurecht zu weisen ist nicht schicklich, dass ist etwas, dass man nicht macht, nicht zuhause und schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Ein Kind anzufahren (mit Worten, mit einem Auto ist das noch mal eine andere Geschichte) ist einfach schrecklich und ein Zeichen dafür, dass man sich selbst nicht im Griff hat. Schreit das Kind ist man ein schlechtes Elternteil, weil dass Kind sich nicht benehmen kann und sorgt man dafür, dass es aufhört und erhebt dabei seine Stimme ist man sogar noch schlimmer.

Ich weiß nicht an welcher Stelle der Geschichte aus Kindern fragile Skulpturen aus Glas geworden sind, die am besten immer ihren Willen bekommen und die man auf keinen Fall grob anfassen darf. An dieser Stelle möchte ich nicht falsch verstanden werden, wer sein Kind permanent und ohne Grund anschreit und schlägt sollte keine Kinder haben dürfen. Doch es gibt einen Unterschied zwischen Zurechtweisung und Kindesmisshandlung und nichts zu tun ist eben keine Alternative. Vielleicht spricht da wieder der alte Mann aus mir, doch ich bin der Meinung, dass ein gezieltes „Nein!“ oder ein „Jetzt reichts!“ absolut vertretbar sind. Wenn ein Kind nicht bei Zeiten Grenzen kennen lernt wird es alle Menschen in seiner Umgebung nerven, ganz besonders mich, der ich doch nichts anderes möchte als in Ruhe Bus und Bahn zu fahren…

Published in: on März 13, 2013 at 9:28 pm  Comments (1)