Ist die Welt nicht abgefahren?

Ich habe mich hier schon etwas länger nicht mehr aktiv beteiligt, weil die Zeit gefehlt hat und aus tausend weiteren Gründen, die die Welt und die Menschen, die sich hier auf meinen Blog verirren nicht besonders interessieren. Wie auch immer, ich stöberte heute also ein bisschen durch WordPress und da fiel mir wieder auf, wie merkwürdig die Welt doch mittlerweile läuft. Denn ich habe das Gefühl, dass es tausende Blogs gibt, die einzig und allein dazu da sind, damit sich Menschen in ihrem eigenen Selbstmitleid suhlen können. Diese Idee ist mir gar nicht gekommen als ich meinen Blog gestartet habe, denn wer möchte schon mein tägliches Geweine hören? Doch anscheinend gibt es ja Menschen die sich diese Texte durchlesen und dann schlaue Kommentare dazu verfassen.

Meine Frage ist natürlich jetzt; warum machen die Menschen das? Was hat ein Mensch davon, sich öffentlich über seine Gefühlswelt so auszulassen? Die offensichtlichste Antwort, die mir in den Kopf kam war, dass sie keine Freunde haben und das das Internet herhalten muss. Doch das scheint in den meisten Fällen nicht der Fall zu sein. Die Leute schreiben zwar auch über ihre Probleme mit ihren Mitmenschen, aber meist auch, dass sie ihre zerrüttete Seelenlage nicht verstehen, weil sie eben doch Freunde und Bekannte haben, den sie Vertrauen und denen sie Vertrauen. Damit scheidet keine Freunde als Grund für mich auch aus. Zumindest bei einem Großteil der Blogger.

Doch warum sollte ein Mensch sich dann der Öffentlichkeit so anvertrauen, besonders wo er doch Freunde hat, mit denen er eigentlich reden könnte und die nicht so unglaublich desinteressiert reagieren wie das Internet? Die Antwort ist glaube ich schlicht und ergreifend, sie wollen sich wichtig machen. Das ist nicht auf alle bezogen, sicher gibt es auch hier wie in vielen, vielen Fällen Ausnahmen von der Regel, aber ich glaube, dass Blogs als Werkzeug der Selbstprofilierung missbraucht werden. Wenn ich schreibe: Ah, mir geht es unglaublich schlecht, mein Leben ist vorbei und die Welt geht unter, dann möchte ich, dass mich bitte jemand bemitleidet. Es ist ein in meinen Augen hilfloser Schrei nach Aufmerksamkeit, der nur von möglichst vielen Klicks auf den Blog und möglichst vielen Kommentaren unter dem Blog befriedigt werden kann. Aus einem ganz ähnlichem Grund schmeißen sich Kinder mitten auf der Straßen schreiend auf den Boden. Und ich meinen Augen ist dieses ganze Gejammer nicht viel mehr und am besten dadurch zu kurieren, dass es ignoriert wird.

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Published in: on Januar 25, 2012 at 11:10 am  Comments (5)  
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5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. „Und ich meinen Augen ist dieses ganze Gejammer nicht viel mehr und am besten dadurch zu kurieren, dass es ignoriert wird.“

    Schmunzel…, das hat du mit deinem Posting ja getan.-)

    Es ist immer eine Spannende Geschichte, was uns an anderen aufregt ist wie ein Blick in den Spiegel, der uns etwas sagen möchte.

    Gewöhnlich lehnen wir unmutig ab, was uns ähnlich ist, und geraten außer uns über unsere eigenen Mängel, wenn wir sie von außen her sehen.
    Marcel Proust

  2. Ich bin mir sicher, dass hier bei meinem Blog kein Eintrag zu finden ist, in dem ich über mein schlimmes Leben weine, aber ich muss dir recht geben. Wenn man ein Thema behandelt ist es mit dem ignorieren nicht besonders weit her 😀
    Auch das Zitat halte ich für schlau und werde es von nun an benutzen 😉

  3. Ich find das ja mittlerweile schon ziemlich langweilig. Guck doch mal bei den Tags unter *Liebe*. Das ist kaum auszuhalten! Da kommt nicht mehr wirklich was darüber, sondern viel mehr wird über das persönliche Leid geschrieben. Meinungen interessieren mich sehr wohl, aber nicht dieses *Wie-schwer-ich-es-doch-habe-Geposte*! Man kann sehr wohl witzig schreiben, was meistens auch viel besser ankommt oder eben über Dinge, die einen beschäftigen. Normale Dinge! Und nicht sowas. Aber anscheinend ist das ja nun der neue Trend. Ich les mir sowas gar nicht mehr durch!;x

  4. Ich habe den Eindruck, dass ein Blog heute das gute alte Tagebuch ersetzt. Dass dieses persönliche Reflektieren, dann unbedingt der Außenwelt zu Füßen gelegt wird, ist wohl ein Zeichen unserer Zeit. Alles wird vernetzter und öffentlicher, aber an Tiefe gewinnt dadurch nichts.

    • Das finde ich hast du schön gesagt, bzw geschrieben. Nur weil man Zugang zu einem Medium hat muss man es nicht zwingend benutzen, denn auch wenn man dadurch versucht sich interessanter zu machen zeigt es der Welt doch eigentlich, wie langweilig man ist…


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