Schuld und Sünde

Jeder Mensch hat einen Sinn für Gerechtigkeit. Das der nicht bei jedem Menschen gleich stark ausgeprägt ist und das er von einigen Menschen ignoriert werden kann steht hier zwar außer Frage, doch jeder Mensch hat eine Vorstellung im Kopf davon was Gerecht und was Ungerecht ist. Doch woher kommt dieser Sinn für Gerechtigkeit und ist er wirklich so toll wie wir uns das vorstellen?

Ein Mensch muss zu seinen Taten stehen und sich für sie verantworten, dass ist die gängige Einstellung der meisten Menschen, zumindest hier in Europa. Wenn ein Mensch einen anderen bestielt oder ihm körperliches Leid zufügt muss er bestraft werden. Auf diesem einfachen Grundsatz ist unser gesamtes Rechtssystem aufgebaut. Doch woher kommt diese Art des Menschen zu denken? Tiere tragen doch auch nicht die Verantwortung für ihre Taten, ein Affen-Clan kann einen anderen komplett ausrotten und wird dafür niemals in irgend einer Weise von einer Affen-Justiz verfolgt. Woher kommt diese Moral der wir uns unterwerfen und warum glauben wir, dass wir uns daran zu halten haben?

Die Frage nach dem Ursprung unserer Vorstellung von Moral hier in Europa ist recht schnell beantwortet, wenn man nicht zu weit in die Geschichte zurück geht. Denn unser Vorstellung von Recht und Unrecht basiert zu einem sehr großen Teil auf dem Buch der Bücher, der Bibel. Bis weit ins 14. Jahrhundert hinein wurde dieses Buch als Grundlage für alles benutzt, die Könige haben sich auf sie berufen um ihre Macht zu sichern, die Geistlichen haben mit Androhungen von Strafen aus der Bibel ebenfalls ihre Macht behauptet und die 10 Gebote waren für viele Hundert Jahre ein strenger Ehrenkodex, den es zu befolgen galt. Diese Bibeltreue der Menschen hat dafür gesorgt, dass die Bibel und all ihre Geschichten für 100 % authentisch gehalten wurden, inklusive der Geschichte von Adam, Eva und dem Apfel. Dieser erste Sündenfall, diese Ursünde der Frau, die sich von der Schlange dazu verführen ließ die eine Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen hat der Frau über viele Jahrhunderte einen sehr schweren Stand in der Gesellschaft verschafft. Sie war es, die dafür gesorgt hat das die Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden und sie hat in dem sie ihren Mann ebenfalls verführte den Mann gleich mit ins Elend gestürzt.

Wenn wir die ganze Sache allerdings mal ein bisschen nüchtern betrachten, dann stellt sich relativ schnell die Frage, warum die Menschen auf Eva böse waren. Sie war dumm wie ein Stück Brot bevor sie von der Frucht (die eigentlich kein Apfel war denn zu der Zeit als die Geschichte entstanden ist gab es in Asien noch keine Apfel, jedenfalls nicht in der Region in der die Geschichte spielt) aß und sich damit die Erkenntnis sicherte. Die Frage ist doch, ist Eva nicht nach heutige, Wissen unschuldig, weil sie im Moment der Tat nicht zurechnungsfähig war?

Wir haben das bestreben einen Menschen zu bestrafen, weil er in unseren Augen „böse“ war, dass heißt seine Handlungen haben unserem Gerechtigkeitssinn widersprochen.  Doch sind wir nicht böse auf ein Erdbeben, einen Vulkanausbruch oder einen Tsunami, auch wenn sie viel mehr Leid verursachen als die meisten Menschen je könnten. Der Unterschied, oder der vermeintliche Unterschied zwischen einem Felsen, der einen Menschen aus heiterem Himmel erschlägt und einem Menschen, der mit einem Felsen einen anderen Menschen erschlägt ist der, dass man den Menschen für seine Tat zur Rechtschaffenheit ziehen kann. Er hat Schuld und unser Innerstes schreit nach Gerechtigkeit. Ein Mensch kann im Gegensatz zu einem Stein oder einem Tier Schuld auf sich laden, weil er sich auch anders hätte entscheiden können. Der Mörder hätte sich auch dazu entscheiden können sein Opfer nicht zu töten, ein Dieb müsste nicht unbedingt stehlen und ein Broker hätte das Geld seiner Kunden statt in unsichere Aktien auch in Anlagefonds investieren können.

Dieses Modell der Schuld ist aber wie alles im Leben nicht ganz so einfach wie wir es gerne hätten. Um einmal mit Schopenhauers Worten zu sprechen: „Der Mensch kann tun was er will, aber nicht wollen was er will“. Sollte dem wirklich so sein, dann kann kein Mensch für seine Taten verantwortlich gemacht werden, weil wir uns in determinierten Bahnen bewegen, die sich aus einer Reihe von Wahrscheinlichkeiten ergeben. Zu jeder Zeit hätten wir in einer bestimmten Situation immer genau gleich gehandelt, wenn die Rahmenbedingungen die selben gewesen wären.

Ich will ja gar nicht das gesamte Modell von Schuld und Unschuld, von Recht und Unrecht über den Haufen werfen, aber sollte Schopenhauer recht gehabt haben, dann müsst man sich in diesen Fragen noch mal ernsthaft Gedanken machen…

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Published in: on März 31, 2011 at 9:31 am  Schreibe einen Kommentar  

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