Hoffnung-Der erste Schritt auf dem Pfad der Verzeiflung

Ist es nicht sonderbar, dass sich die Grundprinzipien im Laufe der Menschheit nicht wirklich verändern? Man liebt noch genau so wie vor 1000 Jahren, man hasst noch genau wie vor 1000 Jahren und man hofft genau wie vor 1000 Jahren. Die Hoffnungen selbst haben sich dabei auch eigentlich nie grundlegend geändert. Man hofft auf gutes Wetter, man hofft auf ein zufriedenes Leben, dass man die große Liebe findet und so weiter. Wir Menschen sind nicht wirklich wandelbar was unser Innerstes anbelangt. Doch möchte ich hier einmal mit dem Mythos aufräumen, dass die Hoffnung eine gute Sache ist und es ohne Hoffnung nur Verzweiflung geben kann.

Betrachtet man die Situationen in denen man Hoffnung haben kann mal ein bisschen genauer ist die Hoffnung eigentlich immer da zu da, die Realität zu verzerren und den Hoffenden in ein tiefes Loch fallen zu lassen, wenn er seine Hoffnung nicht erfüllt sieht. Der recht berühmte Philosoph Friedrich Nietzsche schrieb einmal: „Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.“ Dieses Zitat enthält meiner Meinung sehr viel Wahrheit, denn die meisten Hoffnungen die wir uns so machen liegen in einem Bereich, den man als utopisch ansehen kann. Nach allen Gesetzten der Wahrscheinlichkeit ist es nicht ausgeschlossen, dass die Hoffnung sich erfüllt, doch ist es wenn man alle Variablen berücksichtigt mehr als unwahrscheinlich, dass ein Ereignis mit einer Wahrscheinlichkeit, die sich nahe bei Null bewegt, wirklich eintritt. Als bestes Beispiel kann man hier das Lotto-Spiel anführen. Sechs Richtige mit Superzahl aus 49 Möglichen ergibt eine Wahrscheinlichkeit von 1:139.838.160,0. Das ist in Prozent ausgedrückt eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 0,00000072%. Und doch spielt fast jeder Deutsche zumindest bei den großen Jackpots dieses Spiel, in der Hoffnung, dass diese überwältigenden Chancen bei ihm nicht gelten.

Wenn wir auf etwas hoffen, auf das wir keinen Einfluss haben( und das ist die eigentliche Definition von hoffen: eine positive Einstellung zu Dingen in der Zukunft auf die man keinen Einfluss hat) dann ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Hoffnungen enttäuscht werden. Wenn man sich von vornherein über die Risiken im klaren ist und sieht, dass das angestrebte Ziel nicht zu erreichen ist, weil die Chancen einfach zu gering dafür sind, dann sollte man sich damit abfinden und sich nicht unnötig ins Unglück stoßen. Ein Art, den wohl jeder schon mal einer guten Freundin oder einem guten Freund gegeben hat, der oder die unglücklich verliebt war. Doch diese Dinge sind immer leichter gesagt als getan. Der Mensch ist in der Lage sehr viel Leid auf sich zu nehmen, wenn er nur ein Ziel vor Augen hat. Die Hoffnung hält uns dieses Ziel vor Augen, auch wenn es schon lange nicht mehr da ist und die Hoffnung treibt uns weiter, wo unser Verstand schon lange analysiert hat, dass die Situation mittlerweile aussichtslos ist.

Das der Mensch nicht ganz die Hoffnung verliert liegt meiner Meinung nach daran, dass er in fast jedem Medium Geschichten über Menschen oder menschenähnliche Wesen gibt, die entgegen aller Wahrscheinlichkeiten doch zu ihrem Ziel gekommen sind. Fast jedes Buch handelt davon und auch fast jeder Film. Diese Geschichten verschleiern die Tatsachen, sagen uns, dass wir alles schaffen können wenn wir nur nicht die Hoffnung verlieren und weiter kämpfen. Doch das ist eben nicht so. Nicht jeder kann alles erreichen. Auch wenn ich jetzt anfange mein bestes zu geben werde ich doch niemals der weltbeste Violinist. Die Chancen dafür stehen nicht viel schlechter als die im Lotto zu gewinnen, aber ich versuche es trotzdem nicht. Und wenn er keine Hoffnung gäbe, dann gäbe es keine Kriege. Die Menschen kämpfen, weil sie hoffen, dass sie gewinnen. Gaddafi muss immer noch an einen Sieg glauben oder darauf hoffen, dass er weiter an der Macht bleibt, sonst würde er sich mittlerweile kampflos ergeben.  Hoffnung macht die Menschen unglücklich und die Erfolge die sie verzeichnet stehen in keinem Verhältnis zu den Misserfolgen, die durch sie verschuldet werden. Darum lasst alle Hoffnung fahren und lebt euer Leben glücklich und zufrieden.

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Published in: on März 22, 2011 at 10:04 am  Comments (4)  

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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Immer nur glücklich sein lässt uns das Glück verlieren, zumindest um Dasein als Mensch.
    Daher ist so ein wenig Hoffnung am Anfang, in der Mitte und am Ende ein „Glücksbringer“.
    Wir leben halt dual und wer von uns möchte schon wirklich im Lotto gewinnen?

  2. Ich glaube, da muss man zuerst einmal entscheiden, um welche Art von Hoffnung es sich handelt. Gut, es gibt Dinge, auf die wir lange Zeit hoffen, obwohl wir wissen, dass das nichts mehr wird. Ich nenne das *Hoffnung, mit der wir uns selbst belügen*. Wir tun das, um mit Schmerz besser umgehen zu können. Aber es gibt auch noch andere Seiten der Hoffnung. Wenn wir feste Ziele haben, hoffen wir, dass wir sie irgendwann erreichen. Wir kämpfen dafür und das ist auch gut so. Hoffnung macht uns nur traurig, wenn wir insgeheim schon wissen, dass daraus nichts wird. Die Hoffnung, bei der das Ziel noch offen ist, gibt uns doch eigentlich Kraft. Viel Kraft sogar. Ohne die Hoffnung wären wir leer und vor allem unfähig, an den positiven Ausklang des Lebens zu glauben. Ich finde, ganz viele Dinge haben auch mit Gedanken zu tun. In unserem Kopf liegt mehr Kraft, als wir eigentlich wissen. Das klingt zuerst einmal weltfremd, aber man sieht das täglich an den Kleinigkeiten.
    Es passiert doch oft genug, dass man an einem Tag an eine Person denkt, die man schon lange nicht mehr gesehen hat. Eigentlich gab es keinen Auslöser, wieso einem diese Person wieder in die Gedanken kam. Jedenfalls, ein paar Tage später läuft sie einem über den Weg. Zufall? Möglich. Trotzdem, ich glaube, dass in unseren Gedanken eine unheimliche Kraft liegt, mit der wir gewisse Dinge beeinflussen können. Und somit auch unsere Ziele. Wenn man positiv über diese denkt und sich einfach in den Kopf setzt, dass man das irgendwann schafft, vielleicht nicht heute, aber morgen, dann passiert das auch. Irgendwie kommt da was zurück. Da bin ich mir relativ sicher, auch wenn man meine Einstellung nicht wirklich beweisen kann. Gedanken und Hoffnung liegen nah beieinander. Die einen geben der anderen mit Worten Ausdruck. Und beide nähren voneinander. Es ist nicht schlimm zu hoffen, weil es ebenso wenig schlimm ist, zu denken. Wer hofft, der hält an seinem Leben fest, weil er fest daran glaubt, dass alles positiv ausgeht.

    • Du sagst: „Wer hofft, der hält an seinem Leben fest, weil er fest daran glaubt, dass alles positiv ausgeht.“ Ich bin mir da nicht so sicher. Jeder von uns hat wohl den Eindruck, dass das Leben so oder so verlaufen müsst, weil wir es hoffen, weil es auch schon anderen so passiert ist und weil es insgesamt ziemlich unfair wäre, wenn es bei uns nicht klappt. Doch das Universum kennt kein fair oder unfair, keiner hat Anspruch darauf das sich seine Träume erfüllen nur, weil er besonders darauf hofft. Wir können das ganze Leben lang mit Träumen durch die Welt laufen, die verhindern, dass wir den Blick für die Realität verlieren. Wir leiden und leiden, weil wir hoffen, dass es sich irgendwann ändern wird, auch wenn es eigentlich keinen Anlass für eine solche Hoffnung gibt.
      In meinen Augen ist Hoffnung nicht unbedingt immer etwas Positives, sogar in den seltensten Fällen. Viele Menschen machen dumme Sachen, weil sie hoffen, dass die Wahrscheinlichkeiten für sie nicht gelten und das deshalb für sie, da sie der Held ihrer eigenen Geschichte sind am Ende sich alles zum „Guten“ wendet und sie in den Sonnenuntergang reiten. Doch ich als Physik-Student habe gelernt, dass auch wenn es eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit gibt, dass ein Stein, wenn man ihn fallen lässt, nicht nach unten, sondern nach oben fällt es noch keinen einzigen dokumentierten Fall gibt, in dem ein Stein sich tatsächlich entgegen der Erwartung verhalten hat. Und daran wird auch die Hoffnung nichts ändern.

  3. Mensch und Stein sind zwei Paar Schuhe. Ein Stein hat keine Seele. Aber ich sagte ja oben, dass es zwei Arten von Hoffnung gibt. Bei einigen Dingen wissen wir, dass sie aussichtslos sind und wir uns jeden Tag selbst belügen. Doch beiden Zielen gehen unsere Meinungen wirklich weit auseinander. Ich bin ein Gefühlsmensch, sicher sehe ich die Realität, aber ich glaube auch noch an kleine Wunder. Der Mensch kann unheimlich viel erreichen, mehr, als er es sich in seinen Träumen vorgestellt hat. Ich finde die Vorstellung, ohne Hoffnung zu leben, einfach traurig. Diese Dinge sind nicht berechenbar. Ich glaube, viel Optimismus erleichtert einem das Leben.


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