Wir leben den Moment…

Der Mensch hat die merkwürdige Eigenschaft alles was es so gibt in Kategorien ein zu teilen. Alles muss geordnet werden, es werden Übergruppen für alle Bereiche gesucht und die verschiedenen Dinge in diese Übergruppen eingeordnet. Zum Beispiel haben wir eine sehr klare Vorstellung davon, was ein Säugetier ist und in wie fern sich dieses Säugetier sich von einem Vogel oder einem Reptil unterscheidet. Doch ist es eigentlich nicht so einfach alles so zu unterteilen wie wir es gerne machen.

Wenn sich zum Beispiel eine neue Art entwickelt ist der Übergang meist sehr schlecht zu erkennen. Denn in der Regel ist es ja nicht so, dass die eine zum Beispiel Entenart sich komplett in einem sehr geringen Zeitraum verändert und aus ihr eine komplett neue Enten Art wird. Der Übergang ist mehr als schleichend, meist merkt man nicht das eine neue Art aus der alten hervorgegangen ist weil die Unterschiede nicht groß genug sind um sie zu erkennen.

Worauf ich eigentlich hinaus möchte ist, dass der Mensch eine ganz schlechte Vorstellung von „werden“ hat. Wir können uns ein werden nicht vorstellen. In der Hinsicht scheint unser Gehirn ein bisschen sehr binär zu arbeiten, entweder ist etwas so oder es ist so, aber es wird nicht.

Alleine unsere Einteilung der Zeit ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir mit dem werden nichts anfangen können. Wir haben Jahre, Monate, Tage, Stunden, Minuten, Sekunden, Zehntelsekunden und so weiter. Diese Liste ließe sich beinahe beliebig lang fortführen. Mein Punkt ist, dass jedes dieser Wörter für einen bestimmten Betrag an vergangener Zeit steht. Auch wenn wir uns besonders bemühen diese Beträge so klein wie möglich zu machen so ist es uns dennoch unmöglich die Zeit als dynamischen Fluss zu betrachten. Wir sagen ja auch „von einem Augenblick auf den nächsten hatte sich die Situation total verändert“. Der Augenblick ist in diesem Fall ein unbestimmter Betrag an Zeit, doch er ist eben doch ein Betrag.

Es liegt wahrscheinlich daran, dass wir Geschöpfe der Gegenwart sind, doch wir können uns Veränderung nicht vorstellen. Was jetzt gerade passiert ist für uns entscheident und das dieses „jetzt“ auf dem Zeitstrahl bewegt wird ist uns unbegreiflich. Wir wissen, dass es so ist, wir haben ein Gespür dafür, dass Zeit vergeht. Doch wir brauchen Fixpunkte in Form von Sekunden oder der gleichen um uns wirklich orientieren zu können.

Es wäre sicher spannend, wenn unsere Wahrnehmung uns erlauben würde die Zeit als Fluss wahr zu nehmen und nicht nur als Kette von Momenten, doch das wird uns leider verwehrt bleiben. So grausam kann es sein sich über dererlei Dinge Gedanken zu machen.

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Published in: on März 16, 2011 at 9:57 pm  Comments (2)  

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich fände es eher spannend, wenn wir tatsächlich im Moment leben könnten.
    Unsere komplette Wahrnehmung ist auf Veränderung ausgerichtet.
    Ein normal funktionierendes Gehirn filtert alle Dinge heraus, die unverändert bleiben.
    Das ist sehr praktisch um zum Beispiel eine kommende Gefahr zu erkennen.
    Ich stimme dir zu, dass wir meistens in Zeitabschnitten denken. Um zum Beispiel zu beschreiben wie es einem geht nehmen wir meistens einige andere Punkte als Reverenz.
    Wieder handelt sich es dabei um Fixpunkte, aber immerhin um mehrere um somit vergleichen zu können und uns gefühlsmäßig dort einordnen zu können.
    Das Einteilen von Zeit würde ich vielleicht eher ein eine kulturelle Schiene stecken.
    Es ist einfach eine Verabredung um das Miteinander zu vereinfachen.
    Hier in Tansania hab ich in diesem Bezug schon spannende Erfahrungen gemacht. Habe mich einmal vormittags mit meinem Chef verabredet. Ich lag noch im Bett, als er kam.
    Worauf ich hinaus will, ist dass ich glaube, dass wir Zeit nicht in den von uns definierten Bereichen wahrnehmen.
    Fünf Minuten nimmt man beim Sex, beim Zahnarzt und beim Warten vor einer Toilette sehr unterschiedlich wahr.
    Und ich glaube in Momenten der totalen Extase ist es uns vielleicht sogar möglich den Moment wirklich zu leben ohne dass das davor oder danach eine Rolle spielt.
    Ansonsten fällt es uns eher schwer im Moment zu leben.

    • Der Titel mag da seinen Teil zu beigetragen haben, aber das ist eigentlich nicht, worauf ich hinaus wollte. Was ich sagen wollte war, dass wir ein Problem damit haben uns den Vorgang des Werdens vorzustellen. In unserer Welt „ist“ alles, nichts wird. Wir sind nur fähig Momentaufnahmen von unserer Umgebung zu machen und nicht die Dinge in ihrem Fluss zu betrachten. Wenn du jemanden zum Beispiel eine lange Zeit nicht gesehen hast bist du im ersten Moment erstaunt wenn er eine neue Frisur oder abgenommen hat. Du hast ein Bild von ihm oder ihr im Kopf und dieses Bild ist nicht dynamisch, wie auch? Wäre es das tatsächlich würde es wahrscheinlich schon in kurzer Zeit nicht mehr mit dem Original übereinstimmen.
      Auch ein gutes Beispiel ist, wie wir uns selbst wahrnehmen. Wir haben alles das Gefühl, dass wir uns von Tag zu Tag kaum bis gar nicht ändern wenn wir es zum Beispiel mal aufs Abnehmen beziehen. Wir brauchen einen fixen Zeitpunkt an dem wir uns wiegen und unseren Bauchumfang ermitteln, weil wir ansonsten die Veränderung nicht bemerken würden. In unserer Welt wird nichts, wir vergleichen immer Fixpunkte auf dem Zeitstrahl zwischen denen offensichtlich was passiert sein muss. Wir leben also praktisch von Moment zu Moment und das dazwischen können wir nicht richtig begreifen.
      Das mit der Zeit brauchen wir hier nicht zu diskutieren, ich bin mir sicher, dass die relative Zeitwahrnehmung ein Thema ist mit dem jeder von uns schon einmal Erfahrungen gemacht hat. Aber darauf wollte ich auch gar nicht hinaus. Ich hoffe, ich habe meinen Standpunkt ein bisschen deutlicher dar gelegt.


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