Schrammeln

Auch dieses Wort ist mir schon des Häufigeren begegnet und ich habe es immer als Synonym für Gitarre spielen benutzt, genauer gesagt für schlechte Gitarre spielen. Immer wenn jemand einfach so gedankenverloren Akkorde auf seiner Gitarre dahin gespielt hat, ohne Zupfmuster ohne Anleitung, dann war das für mich geschrammelt. Doch nachdem ich es jetzt schon so viele Jahre gedankenverloren benutzt habe  wurde ich neugierig, denn woher kommt dieses Wort? Ich hab mich ein bisschen im Internet schlau gemacht und das ist, was ich dazu gefunden habe.

Ursprünglich versteht man unter Schrammelmusik eine Art Wiener Volksmusik aus dem 19. Jahrhundert, die nach den beiden Brüdern Johan und Joseph Schrammel benannt wurde. Diese beiden Brüder gründeten zusammen mit dem Gitarristen Anton Strohmayer ein kleines Ensemble, dass um 1878 in vielen kleineren Gaststätten in Wien unter anderem Märsche, Walzer und Volkslieder dar bot. Doch erst als sich der Klarinettist Georg Dänzer der Gruppe anschloss begann die Gruppe, die sich mittlerweile „Specialitäten Quartett Gebrüder Schrammel“ nannte, sehr schnell sehr erfolgreich zu werden. Hier sind einige berühmte Leute, die sich lobend zur Schrammelmusik geäußert haben: Johan Strauß, Johannes Brams und auch Arnold Schönberg.

Charakteristisch für die Schrammelmusik ist neben der Besetzung(zwei Geigen, Kontragitarre, Klarinette, später auch Kopfhamonika) ihr Klang, der, ich zitiere:  die weinende“ (raunzende), melancholische, aber trotzdem chansonartig beschwingte Instrumentierung charakterisiert. Ich war an dieser Stelle gezwungen zu zitieren, denn ich habe bis heute noch immer keine Schrammelmusik gehört, weshalb ich nicht sagen kann, ob die Einschätzung des Autors des Wikipedia-Artikels zum Thema Schrammelmusik wirklich stimmt oder nicht. Was ich jedoch sagen kann ist, dass schrammeln offensichtlich nicht so schlecht gemeint war wie man es heute gebraucht. Die Schrammelmusik war eine sehr anspruchsvolle Musikrichtung, die man als Anfänger nicht so einfach nachspielen konnte. Die Gebrüder Schrammel haben sich damit auch weit über die Grenzen Wiens und Österreichs einen Namen mit ihrer Musik gemacht, von dem heute allerdings nicht viel übrig geblieben ist. Heute benutzt man den Ausdruck schrammeln, wenn man das Spiel eines Gitarristen abwerten möchte. Damit hat sich die Bedeutung über die Jahre offensichtlich umgekehrt. Auch so kann es manchmal laufen.

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Published in: on Dezember 8, 2010 at 7:40 pm  Schreibe einen Kommentar  

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